Macht Faltenunterspritzung Dumm? Dr. Peters und Dr. Grüber räumen mit Beauty-Mythen auf.

Die Cosmopolitan fragt: "Legt das Nervengift wirklich das Gehirn lahm? Und bleiben Schlauchbootlippen echt für immer?" Diese Checkliste klärt, was stimmt und was quatsch ist.

1. Faltenbehandlung mit Nervengiften macht dumm

Nein, leider kann Dummheit nicht auf die böse BTX-Injektion geschoben werden. In Umlauf kam das Gerücht durch eine Studie der Universität Wisconsin-Madison. Dort hatten Wissenschaftler 20 Frauen vor und nach einer Faltenbehandlung untersucht. Diese mussten Sätze lesen und ein Signal geben, sobald sie den Sinn verstanden hatten. Das Ergebnis: Zwei Wochen nach der Spritze benötigten sie im Schnitt bis zu eine Sekunde länger, um negative Informationen zu verarbeiten. Positive Aussagen waren aber nicht beeinträchtigt. Die Forscher erklärten die Verzögerung so: Um Beschreibungen von Zorn, Ärger und Trauer besser verstehen und nachempfinden zu können, müssen wir das Gefühl mit unserer Mimik nachstellen. Wer seine Stirn nicht in Falten legen kann, braucht deshalb etwas länger, um den Sinn bestimmter Aussagen zu begreifen.
„Laut dieser Studie macht BTX höchstens langsamer, nicht dümmer. Die Schlussfolgerung, bestimmte Regionen im Gehirn würden nach der Behandlung nicht mehr so richtig funktionieren, stimmt also nicht. Mit nur 20 Probanden hat die Studie aber sowieso keine Relevanz für die seriöse Wissenschaft“, sagt Dr. Tina Peters, plastisch-ästhetische Chirurgin aus Hamburg.

2. Mit Brustimplantaten darf man nicht fliegen

Doch, doch. Und man muss die Leute vom Sicherheitscheck auch nicht auf seine Prachtstücke hinweisen. Das Gerücht stammt aus der Zeit, in der mit Kochsalz gefüllte Implantate und ältere Silikon-Modelle eingesetzt wurden. Die Dinger waren tatsächlich nicht flugtauglich und konnten sich bei Druckveränderung in der Kabine aufblähen und platzen.
Die neue Generation der Silikon-Implantate ist sicher und hält selbst hohem Druck stand, da sie aus einem quervernetzten, hochstabilen Gel in einer widerstandsfähigen Hülle besteht. Selbst ein Sprung vom 10-Meter-Turm ist kein Problem, ein Platzen der Implantate ist unmöglich. Wichtig ist nur, dass der Facharzt für plastische Chirurgie geprüfte und bewährte Markenimplantate verwendet.

3. Vampir-Lifting ist eine blutige Sache

Das glauben wohl alle, die Kim Kardashians Little Shop of Horrors-Video auf YouTube gesehen haben. Ihr Gesicht war blutverschmiert – ein super inszeniertes Tamtam, aber in Wirklichkeit nur halb so schlimm. Beim Vampir-Lifting wird mit einer kleinen Nadel an vielen Stellen im Gesicht transparentes Plasma gespritzt. Dabei treten natürlich auch immer winzige Tröpfchen Blut aus. Und wenn man die effektvoll übers Gesicht schmiert, sieht’s aus, als hätte man mit einem Kaktus geknutscht. Also noch mal für alle Schisser: Der Blutverlust aus den Einstichstellen ist minimal – und die Kardashian ist eine Drama-Queen. So.

4. Beauty-Eingriffe sollten nur im Winter gemacht werden

Kommt darauf an. Wenn die oberste Hautschicht abgetragen wird, etwa bei einem Glycolpeeling oder einer Mikrodermabrasion, oder wenn ein Pigmentfleck per Laser entfernt wird, heißt es: Raus aus der Sonne, die behandelten Stellen vertragen kein UV-Licht. Alle anderen Eingriffe kann man auch im Frühjahr und Sommer machen lassen. Die Schwellungen sind durch verfeinerte Verfahren minimal geworden.

5. Zu viel Filler? Pech gehabt!

Nix da, kein Mensch muss mit Kylie-Schlauchbootlippen oder Meg-Ryan-Pillow-Cheeks rumlaufen. Wenn bei der Unterspritzung mit Hyaluronsäure eine Überdosis unter die Haut gelangt ist und das Ergebnis unglücklich macht, wird das Enzym Hyaluronidase eingesetzt. Es spaltet die synthetische, quer vernetzte Hyaluronsäure auf und löst das Problem innerhalb von Stunden. Gegner der Substanz fürchten, dass sich damit auch die natürliche Hyaluronsäure abbaut und Löcher in der Haut entstehen. „Hyaluronidase ist ein Rescue-Medikament. In kleinsten Mengen gespritzt, wirkt es ausschließlich auf den eingesetzten Filler“, sagt die Münchener Dermatologin Dr. Patricia Ogilvie. „Gelegentlich haben Patienten das Gefühl, dass die behandelte Stelle ein wenig eingesunken ist. Das liegt daran, dass die gespritzte Hyaluronsäure fehlt und das von ihr verdrängte Gewebe etwas Zeit braucht, sich zu regenerieren.“ Auch die körpereigene Hyaluronsäure wird von natürlicher Hyaluronidase abgebaut – und in den Hautzellen ständig neu gebildet.

6. Strombehandlungen können das Gewebe verbrutzeln

Stimmt nicht (mehr). In der Vergangenheit kam es durch Bedienungsfehler bei Radiofrequenz- oder Ultraschall-Behandlungen vor, dass die Geräte das Gewebe auf über 70 Grad erhitzten und so regelrecht verbrannten. Moderne Verfahren arbeiten mit temperaturkontrollierten Geräten. Bei der Behandlung erwärmen Radiowellen das Unterhautgewebe auf 40 bis 42 Grad und aktivieren die Kollagenfaser – sie ziehen sich zusammen und bewirken eine sofortige Straffung der Haut. Gleichzeitig pusht die Wärme die Kollagen-Neubildung.

7. Das Doppelkinn lässt sich einfach wegspritzen

Schön wär’s. Es gibt zwar die Fett-weg-Spritze, die eine biochemische Fettauflösung (Lipolyse) in Gang setzt, aber das Ergebnis ist nicht berechenbar. Der Körper baut das Fett über das Lymphsystem und die Leber an den gespritzten Stellen ab. Wie er das macht, bleibt allerdings sein Geheimnis. Und kein Arzt kann sagen, wie viel Fett pro Behandlung verschwindet. Es ist also Glückssache. Wenn’s schlecht läuft, kann es zu Unregelmäßigkeiten kommen. Blöderweise sind Fettansammlungen am Kinn auch gegen Sport und gesunde Ernährung ziemlich resistent.

8. Aufgespritzte Lippen sehen immer unnatürlich aus

Das meint man, weil nur die schlecht gemachten auffallen.
Wenn die Technik stimmt und der Arzt ein gutes Gespür für ein natürliches Aussehen hat, merkt es nicht einmal Sherlock Holmes. „Der häufigste Fehler ist ein direktes Einspritzen des Materials ins Lippenrot“, sagt Dr. Patricia Ogilvie über die Entstehung der berüchtigten Schlauchbootlippe, die schon auf 100 Meter Entfernung zu erkennen ist. „Einen natürlichen Effekt erziele ich, indem ich den Filler hinter den Muskel platziere. Und die Lippe von innen nach außen aufbaue, ohne das gegebene Profil zu verändern.“ Sprich: Die Oberlippe sollte keine herausragende Stellung einnehmen.

9. Dermaroller für zu Hause sind gefährlich

Eigentlich mag die Haut feine Sticheleien. Die Mikroverletzungen regen die Hautzellen rund um den Einstich an, Kollagen zu produzieren. Dermaroller sollen den natürlichen Prozess anfeuern. Die Tools für zu Hause haben zwar kürzere Nadeln als die medizinischen beim Dermatologen, sind aber trotzdem nicht ungefährlich. Mal von der Hygiene abgesehen, wenn der Roller auf dem Waschbeckenrand geparkt wird, sieht Patricia Ogilvie ein weiteres Problem: „Beim unprofessionellen Rollen werden die Nadeln schräg aus der Haut gezogen. Das zerrt und verletzt sie unnötig.“

10. Filler können verklumpen

Ja, kann passieren. „Es wird immer gesagt, dass Hyaluronsäure als körpereigener Stoff im Gegensatz zu permanenten Fillern keine Komplikationen wie Granulome (Körnchen) verursachen kann. Das stimmt so nicht“, sagt Dr. Cornelius Grüber, plastisch-ästhetischer Chirurg aus Hamburg. „Auch Hyaluronsäure kann, wenn sie an einer Stelle überdosiert wird, verklumpen. Das ist von außen als feste Rundung zu fühlen.“ Aber keine Panik: Entweder man wartet einfach ab oder setzt auf eine Enzymspritze (siehe Punkt 5).

11. Das Mini-Facelift ist halb so schlimm

Nein! Die kleinere Version des Facelifts ist weit entfernt von easy peasy. Zwar wird nur die Haut selbst gestrafft und der Eingriff dauert nicht so lange. Er ist aber nicht minimal-invasiv und das Ergebnis hält nicht so lange wie beim sogenannten SMAS-Facelift, dem mehrschichtigen Facelift. Dabei werden die Haut und das darunter liegende Gewebe verkürzt und gestrafft.

12. Nervengifte können sich über Jahre im Körper ansammeln

Nein, nein, nein. Der Körper wird nicht zur Giftmülldeponie, wenn man sich regelmäßig Muskelrelaxantien spritzen lässt. Das meistens verwendete Nervenguft ist ein Proteinkomplex, der vom Körper vollständig abgebaut wird. Der Stoff gelangt weder in den Blutkreislauf, noch schädigt er die Leber. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es in den Monaten nach der Injektion nach und nach abgebaut und restlos über die Nieren ausgeschieden wird. Es bleibt also nichts im Körper zurück. Und der lahmgelegte Muskel ist danach auch wieder vollständig intakt.

13. Der Körper gewöhnt sich an die Behandlung, es muss ständig mehr nachgespritzt werden

Stimmt nicht. Krähenfüße, Stirn- und Zornesfalten entspannen sich bei regelmäßiger Anwendung sogar länger als die üblichen drei bis sechs Monate, weil der Muskel verlernt, sich zusammenzuziehen.

14. Faltenglättung macht süchtig

Kann vorkommen. Der Übergang zwischen dem Wunsch, etwas an sich verändern zu wollen, und einer Sucht ist fließend. Ein Großteil der Patienten kommt nach der ersten Spritze wieder und möchte mehr. Aber da ist Vorsicht geboten: Eine ästhetische Behandlung lebt nämlich von der perfekten Dosierung der verwendeten Substanzen. Landet zu viel des Wirkstoffs in der Stirn, können sich die Augenbrauen absenken und schwer auf die Oberlider drücken. Das wirkt dann müde. Es kann auch vorkommen, dass sich die Brauen seitlich zu stark heben. Dieser Mr. Spock-Effekt lässt den Gesichtsausdruck unnatürlich wirken. Ein anderes häufiges Phänomen sind Ausweichfalten, zum Beispiel rechts und links der Nasenwurzel, die sogenannten Bunny Lines. Fazit: Weniger ist mehr.

TEXT: FAUST & LOCKSTEIN